Logistics Excellence: Der Weg zur nachhaltigen Logistik

Logistics Excellence: Der Weg zur nachhaltigen Logistik

Interview mit Prof. Dr. Roland Pfennig und Marco Englert, CMO & Executive Director bei der Motodox GmbH

Die Vision einer Wissens- und Informationsgesellschaft 4.0 zielt auf die Entstehung intelligenter Organisationen als Orte systemischer Kompetenz mit hoher Flexibilität. Intelligenz bedeutet dabei zu wissen, wann der Wandel nötig ist und diesen zu fördern, indem man Geschäftsmodelle, Fähigkeiten, Technologien, Systeme und Prozesse kennt, hinterfragt und innoviert. Es gibt hier kaum eine andere Managementdisziplin, die in den letzten Jahren eine derartig rasante Entwicklung erfahren hat, wie die Logistik. Eine Logistik 4.0 steht hier für die Vernetzung und Verzahnung von Prozessen, Objekten, Lieferkettenpartnern und Kunden und kann die Mitglieder einer Wertschöpfungskette und mehrere Wertschöpfungsketten zu einem Wertschöpfungsnetzwerk integrieren.

HERR ENGLERT, WARUM IST DIE LOGISTIK EINE ZENTRALE SÄULE EINER EXZELLENTEN UNTERNEHMENSFÜHRUNG?

Marco Englert: In der modernen VUKA-Welt sind Entscheidungen mit Blick auf den Vierklang aus wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und technologischer Nachhaltigkeit erforderlich. Kaum eine andere Managementdisziplin hat in den letzten Jahren hier eine derartig rasante Entwicklung erfahren wie die Logistik. Sie hat sich als Querschnittsfunktion in den Führungsetagen als zentrale Säule einer exzellenten bzw. nachhaltigen Unternehmensführung etabliert. Das Thema der Neugestaltung von Wertschöpfungsprozessen bzw. Lieferketten und die damit verbundenen Lösungsansätze der Logistik sind zentral für die Entwicklung neuer Produkte, Services und Geschäftsmodelle. Durch die Digitalisierung und neue Informations- und Managementsystem eröffnen sich im Rahmen einer exzellenten Logistik völlig neue Möglichkeiten für intelligente und vernetzte Lösungen. Eine nachhaltige Logistik 4.0 zeichnet sich dadurch aus, dass Nachhaltigkeit und Digitalisierung bei fast allen logistischen Tätigkeiten Effizienz mit Ressourcenschonung verbindet.

HERR PROF. PFENNIG, WELCHE VERÄNDERUNGEN BRINGT DIE NEUE ARBEITSWELT 4.0 FÜR DIE MITARBEITER IM LOGISTIKMANAGEMENT UND WELCHE AUFGABEN WERDEN SIE ÜBERNEHMEN?

Roland Pfennig: Die Logistik übernimmt bereits heute teilweise sogar die vollständige Prozesssteuerung in der Fertigung. Industrie 4.0 wird diesen Trend natürlich weiter fortführen. Alle wesentlichen Objekte entlang der Wertschöpfungskette erhalten eine eigene elektronische Identität und die Fähigkeit, mit anderen Objekten und Betriebsmitteln zu kommunizieren. Dies erfordert die intelligente Verknüpfung und das Management von immensen Datenmengen. Wir brauchen Mitarbeiter im Logistikmanagement, die ein ausgeprägtes Prozessverständnis, eine schnelle Auffassungsgabe, unbedingte IT-Affinität und eine grundständige Logistikausbildung haben.

Da einfache und einfachste Aufgaben immer mehr in die „Hände“ von Robotern und autonom fahrenden Systemen gelegt werden, wird sich der Headcount in diesem Bereich eher verringern. Viele Value Added Services können automatisiert durchgeführt werden – neben dem Kommissionieren, das optimale Palettieren, Verpacken, Aufbereiten, Verladen usw. Gefragt sind daher eher kunden- und mitarbeiterorientierte Leader denn klassische Manager. Da sich durch neue IUK-Technologien neue Geschäftsfelder entwickeln können, müssen Leader ein angemessenes Sensorium für Innovationen und die eigenen Möglichkeiten haben. Nun könnte man sagen, dass dies alles nicht wirklich neu ist, bei näherer Betrachtung stellt man aber fest, dass viele Unternehmen noch nicht mal die 3.0 Welt (Digitalisierung) erreicht haben und sich deshalb auch noch nicht mit 4.0 beschäftigen können.

WIE SIEHT IHRE VISION FÜR EIN NACHHALTIGES LOGISTIKMANAGEMENT 4.0 AUS?

Roland Pfennig: Wenn ich den Begriff Vision ernst nehmen darf, sieht ein nachhaltiges Logistikmanagement für mich so aus, dass es Services für nachhaltige Konsumenten bereitstellt. Davor muss erst mal in weiten Teilen ein Wandel in den Köpfen stattfinden. Wenn immer mehr konsumiert und somit produziert und transportiert werden soll, wird der ökologische Teil der Nachhaltigkeit in die Knie gehen müssen und die Idee verkommt zu einer hohlen Phrase, die bald niemand mehr ernst nimmt. Ein innovatives und reiches Land kann als gutes Beispiel voran gehen.

Einfache Routinetätigkeiten werden künftig von sensitiven Robotern übernommen, die mit Menschen Hand in Hand zusammenarbeiten. Auf den Menschen wird man auf absehbare Zeit nicht verzichten können, allerdings verändert sich die Art der Tätigkeit: Aus- und Weiterbildung werden noch wichtiger – und muss online und zu jeder Tages- bzw. Pausenzeit möglich sein. Die physische Belastung wird abnehmen, neuer psychischer Belastung muss durch entsprechende Maßnahmen wie moderne Führungskonzepte und Coaching vorgebeugt und damit dem sozialen Aspekt genüge getan werden.

Eine sinnhafte und der weiteren Rohstoffverschwendung vorbeugende Anwendung wird Big Data sein, da sich damit genauere Bedarfe und darauf basierende Aktivitäten ermitteln lassen. Die prophylaktische Sicherheitsbevorratung im Lager, an den Produktionseinheiten (versteckte Läger) und auf der Straße gehören der Vergangenheit an. Systematische Fehler in den Geschäftsprozessen werden in Echtzeit erkannt und es werden umgehend passende Lösungsvorschläge erarbeitet.

 

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http://www.wissensmanagement.net/zeitschrift/archiv/fachbeitraege/ausgabe/artikel/auf_dem_weg_zur_nachhaltigen_logistik_40.html

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